Zeitungsartikel
 
 

Was kann bleiben, was kann weg?

Wenn der Zahn der Zeit zur Haus-Rekonstruktion zwingt.

Das Elend begann vor zwei Jahren. Gut 20 Jahre, nachdem wir uns in unserem Haus in Karow neu eingerichtet hatten, zeigte sich mit Macht der Verfall.

Als erstes platzte die Heizung. Nicht gerade folgenlos: Am letzten Tag unseres Winterurlaubs am Bodensee rann heißes Wasser aus dem Kessel, im ganzen Keller dampfte es 10 cm hoch. Als wir nach Hause kamen, war Regenwald-Feeling angesagt. Glück im Unglück: Den Schaden regulierte die Versicherung, eine neue Heizung baute uns unsere kompetente Klempnerfirma schnell ein.

Kaum war alles wieder okay, verabschiedete sich die Waschmaschine. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Geschirrspüler, Kühlschrank, TV, ja sogar die Mikrowelle gaben mehr oder minder zeitgleich ihren Geist auf. Und der Verlust der Küchengeräte war nur das sichtbare Übel der Abnutzung.

Der Whirlpool-Motor der Badewanne streikte dauerhaft, die Mischbatterien in Bad und Küche leckten, die Wasch- und Klobecken bekamen Risse, am Übergang zwischen Waschbecken/Wanne und Fliesen bildeten sich schwarze Streifen. Auf der Auslegeware im Wohnzimmer hatte unser alter Kater deutliche Spuren hinterlassen. Durch die Haustür und praktisch alle Fenster zog es rein. Überall lagen Kabel herum. Mein Schreibtisch gab dem Gewicht des Computers auf einer Seite nach und stand auf einem Koffer.

Allerhöchste Eisenbahn also für eine Reko des Hauses inklusive Renovierung. Zu teuer durfte es nicht werden, obwohl ich als Rentner eine berufsständische Versicherung ausbezahlt bekommen hatte. Und möglichst altersgerecht sollte es schon werden, ohne Schwellen etwa und mit bodengleicher Dusche.

Getrieben durch die Notwendigkeit der Renovierung musste erstmal eine Vision her: Was hielten wir in der Familie für wünschenswert, was für notwendig? Braucht man eine neue Küche, wenn die alte noch funktioniert? Neue Fliesen? Neue Fenster? Elektrische Fensterjalousien? Feste Gazefenster gegen Insekten? Schallschutzwände an den Schlafzimmern? Leerrohre für Heimelektronik? Parkett? Dusch-WCs?

Die Klima-Frage und die der Kosten führte dann schnell zu der entscheidenden Überlegung: Was kann weiter genutzt werden, was muss weg? Schärfer formuliert: So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig neu. Nun finden Sie erstmal eine Firma, die das will und kann – etwa beim Bad-Umbau die alten Fliesen und das alte Ständerwerk dahinter weiter nutzt, das Holz der Treppe von den diversen Schichten Lack befreit, statt einfach alles rauszureißen und Neues einzupassen. Und die dafür nicht alles quer durch die Republik karren muss.

Für uns hat sich da die Firma FTM Keil (Karower Büro: Tel. 030 280 393 13) als segensreich erwiesen. Am Ersten Advent 2024 machten wir mit dem Chef und Bauleiter Reinhard Keil eine Ortsbegehung. Die wesentlichen Aufgaben wurden definiert, als Baubeginn der 14. September 2025 festgelegt.

Nach mehreren Telefonaten mit der BSR und einer Expertenbegehung holten drei BSR-Mitarbeiter am 11. September ab 7 Uhr mit einem Presswagen unseren ganzen Sperrmüll ab, darunter praktisch alle bisher benutzten Betten und Matratzen, diverse Stühle, Schreibtische, Truhen, Schuhschränke und Lautsprecher. Alles, was nicht im Erdgeschoss stand, mussten wir vorher in tragbare Teile demontieren.

Wir zogen zeitgleich in ein anderes Haus von Verwandten um. Am 16. September begannen die Arbeiten.

Keil, der unter anderem auch denkmalgeschützte Häuser in Potsdam rekonstruiert hat, versuchte, möglichst viel von der Bausubstanz zu erhalten. So beseitigte er zum Beispiel Kältebrücken und verwittertes Holz und arbeitete die Dachfenster auf, statt sie komplett zu erneuern. Er zog in unsere mehr als 100 Jahre alte Haustür eine sichere Fünffachverriegelung ein, statt sie gegen eine neue aus Plastik und Aluminium zu ersetzen.

Statt im Dachgeschoss überall Außenjalousien zu installieren, wurden die Fenster foliert. Die Badezimmer bekamen moderne Dusch-WCs, die am alten Ständerwerk befestigt und angeschlossen wurden, ebenso die neuen Waschbecken, die Badewanne oben und die bodengleiche Dusche unten. Dadurch blieben die Stellwände und Fliesen erhalten und die Kosten konnten mehr als halbiert werden. Statt aller wurde nur ein Bad-Heizkörper ersetzt.

Im Obergeschoss wurden zwei Schallschutzwände zwischen den Schlafzimmern eingezogen und bei der Gelegenheit gleich die PC- und TV-Kabel in Leerrohre verlegt. Die Auslegeware im Dachgeschoss und in den Schlafzimmern blieb liegen, das Linoleum im Flur wurde jedoch durch Parkett ersetzt. Die Schwellen verschwanden am 1. Oktober.

Im Erdgeschoss zeigte sich ein ähnliches Bild. Alle mehrfach verglasten Fenster wurden neu eingestellt und abgedichtet, blieben aber erhalten. Alle notwendigen Fenster erhielten feste Gazefenster gegen Insekten und grün lackierte Aluminium-Klappläden. Am 5. Oktober waren Dach- und Obergeschoss praktisch fertig.

Der Schimmel im Wintergarten wurde entfernt, davor wurden Silikatplatten zur Isolation angebracht – statt das gesamte Mauerwerk abzureißen und neu aufzubauen.

Komplizierter als gedacht gestaltete sich der Fußboden im Wohn- und Esszimmer. Die verlegte Auslegeware wurde entfernt, darunter kamen jedoch verklebte Bauplatten zum Vorschein. Der Kleber musste mühsam entfernt werden, darüber kam eine Ausgleichsmasse und anschließend das Parkett – und zwar ohne Stufen zwischen Eingangsbereich, Flur, Bad, Küche und den beiden durch eine Berliner Schiebetür getrennten Zimmern.

Die Schiebetüren liefen auf versteckten Rollen und einer Schiene in der Decke. All dies musste ersetzt werden, ohne dass man es sieht. Heute funktioniert sie wieder einwandfrei.

Zum Meisterstück geriet das Treppenhaus des über 100 Jahre alten Einfamilienhauses. Mehrere Farbschichten wurden entfernt, der Bodenbelag abgetragen und die Holzsubstanz aufwendig freigelegt und aufgearbeitet. Anschließend wurde die Treppe stabilisiert und teilweise mit Echtholz ergänzt. Zum Schluss wurden mehrere Schichten matten, transparenten Lacks aufgetragen. Das Ergebnis erinnert an historische Bauweisen und verleiht dem Haus einen besonderen Charakter.

Ab Mitte Oktober kamen die neuen Möbel für das Obergeschoss. Am 1. November zogen wir dort wieder ein, während im Erdgeschoss noch bis zum 1. Dezember gearbeitet wurde. Für etwa einen Monat lebten wir somit ohne Küche über der Baustelle.

Die Renovierung und Rekonstruktion dauerte etwa zehn Wochen und kostete viel Geld und Nerven. Dennoch war sie notwendig und hat sich gelohnt.

In Reinhard Keil hatten wir einen kompetenten und hilfsbereiten Ansprechpartner, der unsere Wünsche in ökologisch sinnvolle und bezahlbare Lösungen überführte und diese in hoher Qualität umsetzte. Das Haus ist deutlich schöner geworden als erwartet und zudem altersgerecht.

Was nicht umgesetzt wurde, darauf kann man getrost verzichten.

Mathias Heller

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